Matchbericht Männer 1. Liga: Handball Wohlen - TV Muri 23:24 (10:9)
Matchbericht Männer 1. Liga: Handball Wohlen - TV Muri 23:24 (10:9)
Geschrieben von: Roland Merz   
Handball Wohlen – TV Muri 23:24 (10:9)

Heisses Derby mit Herzschlagfinale
 
Der TV Muri und Handball Wohlen boten den Zuschauern sicherlich keine Handballfeinkost, doch bezüglich Spannung und Emotionen war das Freiämter Derby kaum zu überbieten. Die beiden Teams lieferten sich einen packenden Abstiegskampf, in dem die Klosterdörfler am Ende das Glück mit viel Kampf auf ihre Seite biegen konnten.
Das zweite Freiämter Gipfeltreffen stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des Abstiegskampfes. Der TV Muri liegt seit längerer Zeit auf einem direkten Relegationsplatz. Auch Handball Wohlen hat sich in direkter Nachbarschaft zu seinem grossen Kontrahenten breit gemacht und spürt den Atem des Abstiegsgespenstes unmittelbar. In der Vorrunde konnte der TVM seiner Favoritenrolle gerecht werden und siegte klar mit 30:25. Nun haben sich die Vorzeichen aber geändert. Wohlen hielt vor dem Duell die besseren Karten in den Händen. Das junge Team des TVM rutschte in dieser Saison nach einer wahren Niederlagenserie immer tiefer in den Keller. Durch das merklich angekratzte Selbstbewusstsein konnten die Spieler ihr mögliches Leistungspotential nur sehr selten abrufen. Für den TVM zählte an diesem Mittwoch Abend nur ein Sieg. Eine Niederlage hätte den Abstieg zwar noch nicht besiegelt, doch mindestens sehr nahe gebracht. Trotz dieser gehörigen Drucksituation fanden die Gäste in der Wohler Hofmattenhalle gut ins Spiel und erzielten in den ersten beiden Angriffen gleich zwei Tore. Doch diese wohl klingende Bilanz sollte sich schnell ändern. In der Folge spürte man auf beiden Seiten, dass die Teams im Abstiegskampf gehörig verunsichert waren. Man produzierte teilweise unglaubliche Fehler, was dem Niveau des Spiels wenig zuträglich war. So lebte das zweite Freiämter Derby der Saison 2011/12 nur von der Spannung. Tore waren Mangelware. Nach 20 Spielminuten lautete das Skore 5:5. Mit einem kurzen Zwischenspurt konnte der TV Muri auf zwei Treffer davonziehen. Der Gastgeber aus Wohlen wusste aber zu kämpfen und glich durch zwei Gegenstossaktionen umgehend aus. Zoltan Cordas konnte dem Fehlerfestival seiner Jungs nicht mehr zusehen und nahm zwei Minuten vor dem Pausentee sein Time-Out. Die mahnenden Worte des Trainers schienen die Spieler aber nicht richtig zu beherzigen. Doch Handball Wohlen konnte die Gastgeschenke auch nicht wirklich nutzen und scheiterte immer wieder am gewohnt starken Dario Ferrante. Irgendwie typisch für das Murianer Spiel in der ersten Halbzeit war die letzte Minute vor dem Abpfiff: Der TVM lancierte eigentlich gefällig seinen Angriff, drückte aufs Tempo, doch durch einen unnötigen Fangfehler kam Wohlen nochmals zum Handkuss. Rückraumspieler Lukas Kleiner liess sich nicht lumpen und warf drei Sekunden vor dem Ende zum umjubelten 10:9-Pausenskore ein. Die Führung war durchaus verdient, weil der Gastgeber eine Spur kaltblütiger in der Verwertung seiner Chancen war.
 
Und plötzlich stand die Abwehr
Nach dem Kabinengang eröffneten wiederum die Wohlener das Skore. Der TV Muri konnte gleich im Anschluss eine frühe Zeitstrafe resolut nutzen und glich das Spiel erneut zum 11:11 aus. Die ersten Minuten der zweiten Halbzeit waren weiter geprägt von Fehlern und grosser Spannung. Die Führung wechselte hin und her. In der 37. Minute setzte der Ex-Murianer Flavio Galliker zu einem Kraftakt an. Mit drei Toren in Folge brachte er beinahe in Eigenregie den TVM ins Wanken. Eine Zeitstrafe bugsierte die Klosterdörfler zusätzlich ins Hintertreffen. Nach knapp 48. Spielminuten führte Handball Wohlen scheinbar vorentscheidend mit 20:16. Doch mit der drohenden Niederlage vor Augen machten die Klosterdörfler zusätzliche Kräfte frei. Angeführt von Routinier Veton Polozani, der Ruhe in das nervöse Spiel des TVM brachte. Mit seinen zwei sicher verwandelten Siebenmetern, zwei weiteren Toren und guten Anspielen an den Kreis prägte er die Schlussphase nachhaltig. Mit einem Doppelpack von Jerome Zucker kehrte endgültig der Glaube an den Sieg zurück. Wohlen-Interimscoach Christian Gretler nahm sein Time-Out und versuchte so die Aufholjagd des Gastes zu stoppen. Shooter Stefan Sprenger, der nicht seinen besten Tag erwischte und gleich vier Gegenstösse in diesem Spiel versiebte, übernahm Verantwortung und verwertete mit einem Siebenmeter zum 22:20. Der TV Muri hatte aber in der Schlussphase endgültig Lunte gerochen. Die Abwehr zusammen mit einem starken Beni Kropf im Tor stand nun bombensicher. Handball Wohlen fand in den Schlussminuten kaum mehr ein Konzept, das Murianer Bollwerk zu überwinden. Der Angriff des TVM zeigte sich weiter fehlerhaft, doch Kampf und Einsatz stimmten. 150 Sekunden vor dem Abpfiff nahm sich Jozipovic trotz Unterzahl ein Herz und warf zum umjubelten 22:24 ein. Was anschliessend folgte, war ein wahres Hitchkockfinale mit teilweise unglaublichen Fehlern auf beiden Seiten. Nach diversen Unzulänglichkeiten konnten Wohlens Stefan Sprenger, der in der Schlussphase als einziger seines Teams noch torgefährlich war, alleine auf Beni Kropf losziehen und warf zum 23:24 ein. Doch in den verbliebenen 100 Sekunden konnte der TV Muri diesen knappen Vorsprung über die Zeit retten. Nach dem Schlusspfiff war der Jubel auf Seiten der Klosterdörfler natürlich riesig. Das Team zeigte sicherlich nicht sein bestes Spiel, die Unsicherheit war ganz einfach zu gross, doch Kampf und Einsatz stimmten. Mit diesem doppelten Punktgewinn hievte sich die Mannschaft erstmals seit langer Zeit über den ominösen Strich. Der Abstiegskampf ist aber noch lange nicht entschieden. In den letzten vier Runden ist Spannung pur angesagt. Am Samstag, 25. Februar steigt für den TV Muri der nächste kapitale Match zu Hause gegen das Schlusslicht Emmen. Ein Sieg ist absolut Pflicht.

Matchtelegramm Männer 1. Liga Gruppe 2

Handball Wohlen – TV Muri 23:24 (10:9)
SPH Hofmatten, Wohlen. – SR: Christoph und Tobias Oswald. – Torfolge: 1:0, 1:2, 2:2, 2:3, 4:3, 4:5, 5:5, 5:7, 7:7, 7:8, 8:8, 8:9, 10:9, 11:9, 11:11, 13:11, 13:13, 14:13, 14:14, 18:14, 18:16, 20:16, 20:19, 21:19, 21:20, 22:20, 22:24, 23:24. - Strafen: Je 3 mal 2 Minuten gegen Wohlen und Muri.
Muri: Ferrante (1.-30.), Kropf (31.-60.); Burri, Femiano (4), Heusi, Jozipovic (2), Knecht, Ladan, Mallien (3), Moor (2), Polozani (4/2), Riechsteiner (3), Waltenspül, Zucker (6).
Wohlen: Hofmann, Rudi (1.-30./31.-60.); Arnold, Duss (4), Frey (3), Galliker (4), Gloor, Lukas Kleiner (2), Lukas Kleiner, Meier, Milosavljevic (2), Sprenger (7/4), Weisshaupt, Weber (1).
Bemerkungen: Siebenmeter: 2/2 für Muri, 4/4 für Wohlen. Muri ohne Jan Heusi (krank), Hochstrasser, Christen und Zuberbühler (verletzt).